"Philipp Melanchthon - ein europäischer Reformator", IX. Frühjahrstagung zur Geschichte der Wittenberger Reformation
Die Vielseitigkeit Melanchthons als Humanist und Theologe, als philosophisch und naturwissenschaftlich versierter Lehrer und Autor von Lehrbüchern, als Historiker und Politikberater, als Bildungsreformer und Reformator steht außer Zweifel. Wie kein anderer Zeitgenosse hat er durch seine Korrespondenzen und Gutachten, seine Exegesen und Predigten, durch Bekenntnisse und Ordnungen, durch Geschichtsschreibung und sonstige Schriften aller Art weit über den Einzugsbereich der Wittenberger Reformation und seine akademischen Zusammenhänge hinaus gewirkt. Die Tagung versucht, diese wirkungsgeschichtliche Komponente in den Blick zu nehmen, um Melanchthon so zugleich in den europäischen Kontext einzuordnen und aus dieser Perspektive heraus zu beleuchten. Dass dies in einem zweieinhalbtägigen "Arbeitskolloquium" nicht in erschöpfender Weise geschehen kann, liegt auf der Hand. Es sollen aber mit Hilfe einer gezielten Schwerpunktsetzung gerade die Aspekte zur Sprache kommen, die es ermöglichen, zentrale Bestandteile von Melanchthons Wirken zu erfassen und in ihrer europäischen Ausstrahlung zu würdigen. Dazu wird sich die Tagung an drei Untersuchungsfeldern orientieren, deren Grenzen freilich fließend sind. Die gewählten inhaltlichen Fokussierungen erlauben aber eine gezielte Bearbeitung von Forschungsdesideraten und ermöglichen es, bestehende Forschungslücken sichtbar zu machen, aufzugreifen und wenigstens ansatzweise zu schließen.
Donnerstag, 18.3.2010
9.00 Eröffnung der Tagung
9.15-11.00 Europäische Bezüge 1: Korrespondenzen
Christine WEIDE, Kiel:
Melanchthon und Spalatin
Christine MUNDHENK, Heidelberg: Reformstau und Politikverdrossenheit - Melanchthons Briefe vom Regensburger Reichstag 1541
Marion BECHTOLD, Mainz:
Empfehlungen und Patronage
11.30-13.15 Europäische Bezüge 2:
England und Frankreich
Armin KOHNLE, Leipzig:
Melanchthon und die Bündnisverhandlungen mit Frankreich und England
Johannes WISCHMEYER, Mainz:
Melanchthons Beziehungen zu England
Hans-Otto SCHNEIDER, Mainz:
Melanchthons Gutachten über das Interim vom 15. Juni 1548 in englischer Übersetzung
15.00-16.10 Europäische Bezüge 3: Der Ostseeraum
Otfried CZAJKA, Stockholm:
Die Rezeption Melanchthons bei seinen Schülern im Ostseeraum - Transformationen des Melanchthonbildes
Volker GUMMELT, Greifswald:
Melanchthons Einfluss auf das Kirchenwesen im Nordosten des Reiches - Ein Vergleich zwischen Mecklenburg und Pommern
16.40-18.25 Europäische Bezüge 4:
Ostmittel- und Südeuropa
K?stutis DAUGIRDAS, Mainz:
Melanchthons Rezeption in der Rzeczpospolita
Markus HEIN, Leipzig:
Melanchthon-Rezeption im ungarischen Reich
Lothar VOGEL, Rom:
Melanchthons Einfluss auf den Kreis um Juan de Valdés
19.30 Stefan RHEIN/Martin TREU, Wittenberg:
Führung und Empfang im Melanchthonhaus
Freitag, 19.3.2010
9.00-10.45 Die Person und ihre Wirkung 1:
Süddeutschland
Luka ILIC, Philadelphia:
Praeceptor humanissime and two Illyrians: Garbitius and Flacius
Matthias DALL' ASTA, Heidelberg:
Der Tübinger Melanchthonkreis und der Wittenberger Melanchthonzirkel. Mythos und Realität zweier akademischer Formationen
Christian PETERS, Münster:
N.N.
11.15-13.00 Die Person und ihre Wirkung 2:
Die Loci und ihre Rezeption 1
Ulrich KÖPF, Tübingen:
Die Loci und ihre Bedeutung für das Entstehen einer evangelischen Dogmatik
Johannes SCHILLING, Kiel:
Melanchthons Loci und ihre Adressaten im deutschsprachigen Raum
Günter FRANK, Bretten:
Topik als Methode der Dogmatik
15.00-16.45 Die Person und ihre Wirkung 3:
Melanchthon und der Buchdruck
Helmar JUNGHANS, Leipzig:
Melanchthons Loci als "Lehrbuch"
Alexander BARTMUSS, Leipzig:
Die Loci communes Manlii: Zur Rezeption Melanchthons in einer der bedeutendsten protestantischen Exempel-Sammlungen
Hans-Peter HASSE, Dresden:
Melanchthon und die Zensur theologischer Bücher
17.15-19.00 Die Person und ihre Wirkung 4: Kursachsen
Johannes HUND, Mainz:
Kryptocalvinismus oder Kryptophilippismus. Zur Geschichte eines "Etikettenschwindels"
Stefan MICHEL, Jena:
Pezels Ausgabe der Sonntagsvorlesungen Melanchthons
Ulrike LUDWIG, Leipzig:
Zwischen Philippismus und orthodoxem Luthertum - Das Melanchthonbild in Kursachsen in den 1570er Jahren.
Sonnabend, 20.3.2010
9.00-10.45 Rezeptionsfelder 1:
Jura
Heiner LÜCK, Halle:
Zur Bedeutung von Melanchthons Reden "De Irnerio et Bartolo" und "De dignitate legum" für ein modernes Ius Europaeum
Herman SELDERHUIS, Apeldoorn:
Melanchthons Bedeutung für das Kirchenrecht
10.45-12.00 Rezeptionsfelder 2:
Naturwissenschaften und Philologie
Stefanie OHMSEN, Gotha:
Die Grammatica latina Melanchthons
Hartmut KÜHNE, Berlin:
Melanchthon und der Wunderbrunnen von Pyrmont im Jahre 1556
12.00-13.00 Schluss
Heinz SCHEIBLE, Heidelberg: Schlusskommentar:
50 Jahre Melanchthonforschung
Abschlussdiskussion
Moderation: Irene Dingel/Armin Kohnle